Mutismus

Mutismus - was ist das eigentlich?

Mutismus ist eine Kommunikationsstörung, die bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auftreten kann. Die Betroffenen schweigen, obwohl
die Sprechorgane intakt sind und die Sprachentwicklung abgeschlossen ist
– sie schweigen aus Angst.

Im Allgemeinen wird zwischen dem totalen und dem selektiven Mutismus unterschieden. 


Totaler Mutismus

  • Komplette Verweigerung der Lautsprache
  • Schweigen gegenüber aller Personenkreise
  • Vermeidung aller körperlicher Geräusche z.B. Husten, Niesen, Lachen etc.
  • Erstarren bei Ansprache

SELEKTIVER MUTISMUS

  • Partielle Verweigerung der Lautsprache
  • Schweigen gegenüber bestimmter Personenkreise oder in bestimmten Situationen
  • Gestik und Mimik werden meist eingesetzt

Ursachen

  • Genetische Dispositionen wie z.B. Schüchternheit/ Gehemmtheit, Angstneurosen, Zwangsneurosen und Depressionen auf mütterlich und/oder väterlicher Seite
  • Angstneurosen, Zwangsneurosen und Depressionen (meist aufgrund der familiären Genese oder auch durch belastende Lebenssituation oder Stress hervorgerufen)
  • Soziokulturelle Faktoren wie z.B. Milieueinflüsse

DIAGNOSE

Die Diagnose erfolgt meist durch Ärzte oder Psychologen, jedoch ist das Erkennen dieser Störung schwierig, da Mutismus eher bei Logopäden und Sprachtherapeuten bekannt ist. Daher gehört die Logopädie mit zur Disziplin, die diese Störung diagnostiziert und behandelt.

THERAPIE IN DER LOGOPÄDIE

SYSTEMISCHE MUTISMUS-THERAPIE NACH DR. BORIS HARTMANN (SYMUT)

Modul 1: Systemisches Menschenbild (Diagnostik)

    • Wechselbeziehungen zwischen Person und Umwelt und auch innerhalb der Person
    • Kommunikationssysteme innerhalb der Familie, Schule, Kindergarten etc. 

 

Modul 2: 8-Stufen-Diagnostik              

    • diverse ärztliche, psychologische und logopädische Untersuchungen

 

Modul 3: Interdisziplinäre Gesprächsrunde

    • Einbezug von Lehrern, Erzieher/innen, Heimleitern etc. in die therapeutische Arbeit

 

Modul 4: Beratung/ Elternarbeit

    • Wahl der Schulform
    • Umgang mit Patient durch Eltern und Geschwister im häuslichen Rahmen

 

Modul 5: Therapie in 4 Phasen

    1. Phase: Präverbale Phase
    2. Phase: Lexikalisch-syntaktische Phase
    3. Phase: Kommunikativ-sozialinteraktive Phase
    4. Phase: Nachbetreuungsphase

 

Die systemische Mutismus-Therapie durch einen Logopäden/in, ist  selbstverständlich Teil einer interdisziplinären Behandlung durch Ärzte und Psychotherapeuten.  


INTERDISZIPLINÄRE BEHANDLUNG DURCH

  • Psychotherapeuten 
    (Verhaltenstherapie, Behandlung von Depressionen)
  • Ärzte 
    (Verschreibung von Antidepressiva – in schweren Fällen meist notwendig) 
  • Heilpraktiker
  • Andere Therapeuten 
    (Ergotherapeuten, Körpertherapeuten, Musiktherapeuten, tiergestützte Therapie etc.)

Literaturempfehlung

Hartmann, B. (2004) Die Behandlung eines mutistischen Mädchens nach dem SYMUT Konzept Teil 1 und Teil 2 Forum Logopädie

 

Hartmann, B. (2007) Systemische Mustismus-Therapie: Lexikon der Sprachtherapie Stuttgart: Kohlhammer

 

Hartmann, B. ( 2013) Gesichter des Schweigens - Dies Systematische Mustismus- Therapie als Therapiealternative Idstein: Schulz-Kirchner